Brauchen wir eine allgemeine Schulpflicht für Daten? 13. July, 2010

Es ist eigentlich schon eine Weile her, als ich im Dunstkreis der aufstrebenden Datenqualitätsbranche eine Werbeanzeige sah, die mich irgendwie verblüffte: Eine Kind fläzt am Frühstückstisch und statt sich sein Müsli zwischen die Zähne zu stopfen, spielt es mit irgendwelchen auf dem Tisch verstreuten kleinen grünen Kugeln, die mich irgendwie an chemisch zurechtgefärbte Erbsen erinnern. Vielleicht ein Erbsenzähler? Ein Erbsenpicker? Oder ein Erbsenschnipser? Das alles fand seinen Bezug zum Thema Datenqualität eigentlich nur durch den die Werbeanzeige zierenden Slogan: „Schicken Sie Ihre Daten bei uns in die Schule.“

„… bei uns … schicken“? Nun, seit ich als Mitteldeutscher gegen meine süddeutsche Liebe einmal eine herbe Niederlage im Streit um die richtige Verwendung von „Haben“ oder „Sein“ in einer alltäglichen Satzstruktur einstecken musste, halte ich mich mit sprachlicher Kritik lieber zurück. Aber: „Daten in die Schule“? Wenn man bedenkt, dass Datenqualitätsmanagement in verschiedenen Branchen heute im Wesentlichen durch externe, gesetzgeberische Anforderungen motiviert ist, dann käme das ja tatsächlich einer allgemeinen Schulpflicht für Daten gleich. Aber wie sollen Daten lernen und vor allem auch: was? So immateriell, wie sie uns immer daher kommen? Zudem, wer will sie etwas lehren, so passiv, wie sie sich alles gefallen lassen, was wir – ihre Erzeuger, Erzieher und „Missbraucher“ –  mit ihnen veranstalten? Eine Schulpflicht wäre bei uns in Deutschland dann ja auch wieder Ländersache. Man stelle sich vor, wie die Daten eines bundesweit aktiven Unternehmens mit unterschiedlichen Lehrstoffen und qualitativen Ansprüchen konfrontiert wären und plötzlich überregional gar nicht mehr zusammenpassten. Ein Daten-Pisa würde uns dann aufzeigen, dass wir ganz verschiedene Dimensionen und Metriken nutzen würden, um Datenqualität zu definieren. Gar nicht zu denken an die Global Player…

Sie sehen, meine Damen und Herren, so geht das nicht. Daten sind sicher ein wichtiger Bestandteil unserer Informationswelt und als solche auch ein entscheidender Aspekt unserer Kommunikation. Würden Sie Ihre Kommunikation in die Schule schicken, wenn Sie sich mit Ihren Kolleginnen und Kollegen mal missverstehen? Oder würden Sie sich nicht vielmehr darüber Gedanken machen, wie Sie selbst (oder zumindest die anderen!!!) dazu beitragen können, damit die Kommunikation in Zukunft besser funktioniert?

Und genauso sollten wir es doch auch bei den Daten halten! Die Menschen schaffen die Daten, auch wenn die Daten den Menschen manchmal zu schaffen machen. Aber sie beherrschen uns nur deshalb derart negativ, weil wir uns zu wenig Gedanken darüber gemacht haben, wie wir sie in den Griff bekommen können. Sicher, wir müssen die Daten nicht in die Schule schicken, sondern vielleicht einmal zur Reinigung. Aber bitte nicht gleich darauf schließen, dass die Daten nun zwar nicht „ein Leben lang lernen“, dafür aber „ein Leben lang gereinigt werden“ müssen. Nein! Was das kosten würde!

Um das zu verhindern, ist es wirklich wichtig, dass wir uns selbst am Schlafittchen packen und zur Schule schleifen, damit endlich Schluss ist mit dem Datensalat, der uns manchmal fast wahnsinnig macht und ewig von der eigentlichen Arbeit abhält. Ausgeklügelte Bereinigungstechnologien für unsere Daten reichen eben nicht aus, selbst wenn uns Marketingstrategen des einen oder anderen Softwareanbieters Glauben machen wollen, dass sie unseren Daten Wissen und Können und vielleicht sogar noch kreative Fähigkeiten wie in der Schule vermitteln können. Denn wenn es soweit wäre, dann müssten wir wirklich Angst haben, dass sich all die Daten um uns herum selbständig machen würden und wir gar keine Chance mehr hätten, ihrer Herr zu werden. Nein! Wir müssen mit uns selbst etwas tun, ob nun in Form von Qualifikation, Kommunikation oder Motivation.

Wir müssen uns ändern! Und dafür gibt es mehr als genug Möglichkeiten, dies endlich anzugehen…

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