Datenqualität, Data Governance und Organisationskultur 20. July, 2010
Das Thema Datenqualität wird immer stärker als strategische Herausforderung für die Unternehmen verstanden. Das sah vor einigen Jahren noch ganz anders aus. In einzelnen Abteilungen gibt es zwar schon lange „irgendwie“ Datenqualitätsmanagement, weil es die Prozesse einfach einforderten. Allmählich haben sich dort auch softwareunterstützte und nachhaltig angelegte Ansätze etabliert. Aber die eigentliche Herausforderung ist damit noch nicht bestanden: Die dringende Erschließung von Einsparungspotenzialen und nicht zuletzt das Bedürfnis nach ganzheitlicher Betrachtung z.B. von Partner- und Kundendaten zwingen neben Investitionen in geeignete Software für Datenintegration, Stammdatenmanagement und Datenqualität auch dazu, über die Abschottung bereichsbezogener Interessenpolitik und streng hierarchischer Strukturen hinaus das Unternehmen als Ganzes stärker im Blick zu halten.
Unternehmen, die einen organisationsweiten Datenqualitätsmanagement-Ansatz anstreben, müssen vor allem darauf achten, dass unter Berücksichtigung der jeweiligen Unternehmensbedingungen die unterschiedlichen Ansprüche der verschiedenen Interessengruppen miteinander sowie mit den bereichsübergreifenden Notwendigkeiten selbst vermittelt werden. Diese Querschnittsaufgabe ist das zentrale Anliegen von Data Governance.
Werden bspw. die gleichen Stammdaten in verschiedenen Unternehmensbereichen, Hierarchieebenen bzw. Geschäftsprozessen genutzt, so ist es erforderlich, einheitliche Standards zu etablieren, die die verschiedenen qualitativen Ansprüche an die Daten gewährleisten und diese unternehmensweit koordinieren. Damit verbunden sind Aufgaben wie die Entwicklung einer einheitlichen Strategie und gemeinsamer Prinzipien für Datenqualität, die Definition von Datenpflegeprozessen und -standards sowie die Formulierung von Datenqualitäts-Kennzahlen.
Zur Absicherung kosteneffizienter Prozess- und Kundenorientierung wird auch eine ressourcensparende Organisationsform benötigt. Beispielsweise sollten Kompetenzzentren Spezialwissen als koordinative oder beratende Dienstleistungen in die jeweiligen Hauptprozesse einbringen können, soweit sie dort erforderlich werden. Um diese zentralen Aktivitäten dezentral zu unterstützen, sind Bereichs-Data Stewards für die Vermittlung und Durchsetzung der Datenqualitäts-Strategie auf operativer Ebene sowie bereichsspezifischer Interessen in der Strategie selbst verantwortlich. Darüber hinaus entscheiden Datenqualitäts-Boards über die unternehmensweite Strategie, überwachen ihre Umsetzung und vermitteln bei bereichsübergreifenden (Ziel)-Konflikten (vgl. Weber u.a., 2009).
Organisationsstrukturen eines Unternehmens stehen in einem engen, sich wechselseitig beeinflussenden Verhältnis zur Organisationskultur. Daher ist die konkrete Ausgestaltung des Data Governance-Ansatzes auch von den im Unternehmen herrschenden kulturellen Bedingungen abhängig. Der Grad der Zentralisierung und hierarchischen Formalisierung von Entscheidungsprozessen steht also in einem engen Zusammenhang mit prozess- und netzwerkhemmendem Bereichsdenken. Dieses sukzessive aufzulösen, die Mitarbeiter zu befähigen, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, ein stärkeres Bewusstsein für die Interessen des Gesamtunternehmens zu entwickeln, die Bereitschaft des Einzelnen zu fördern, mehr Verantwortung in diesem größeren Rahmen zu übernehmen, müssen daher als wichtige Erfolgsfaktoren für Data Governance selbst verstanden werden.
Ein Interessenausgleich im Sinne eines bereichsübergreifenden Datenqualitätsansatzes ist also eng mit der Frage verknüpft, ob es einem Unternehmen gelingt, die Humanressourcen auf die notwendigen Veränderungen durch kommunikative, bewusstseinsstärkende und motivationsfördernde Einflussnahme einzuschwören. Damit wird aus Effizienzgesichtspunkten neben strukturellen Fragestellungen auch das Veränderungsmanagement ein unverzichtbarer Teil einer erfolgreichen Data Governance-Strategie und kann letztlich sogar positive Konsequenzen für die Unternehmensstrategie als Ganzes haben. Dieser Erfolgsfaktor muss in der Zukunft mehr Aufmerksamkeit erfahren als dies bisher der Fall ist.

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