Endlich: Der Mensch rückt stärker in den Fokus des Datenmanagements 12. October, 2010

Es war schon eine große Erleichterung auf der Stammdatenkonferenz, die ich gerade besuchte, einen Vortrag über Change Management zu hören. Das wird aber auch wirklich Zeit!!! Die ganzen Investitionen, die ich selbst in dieses Thema steckte, weil ich längst fühlte, dass den Datenqualitäts- oder Stammdaten-Projekten, etwas Wichtiges fehlt: Lebendigkeit. Natürlich hieß es schon lange: „Wir müssen die Betroffenen mitnehmen.“ Unklar war jedoch, wie. Und nur selten ließ sich ein Kunde auf solche „Experimente“ ein, die auch budgettechnisch schwierig zu verargumentieren waren. Die Daten sollen doch hier gemanagt werden und nicht der Mensch!

Nun endlich hat einer das Eis gebrochen. Danke an die Veranstalter, dass sie das ermöglicht haben! Zwar ging es in dem Vortrag dann erstmal nur um das Zusammenspiel verschiedener Menschentypen in einem Projekt und um die Frage, welche Konsequenz das Management von Veränderungen für die Bereitschaft hat, sich auf diese besser einzulassen. Die Nähe zum Datenmanagement war erstmal nur schwer herzustellen, aber immerhin, es wurde endlich thematisiert und von den Zuhörern sehr offen aufgenommen.

Wir müssen uns nun vielmehr auch darüber Gedanken machen, wie ganze Abteilungen dazu bewogen werden, ihr Bereichsdenken aufzugeben, um die Daten, die das Blut in den Prozessen darstellen, unternehmensweit nach einheitlichen Richtlinien und Standards zu organisieren. Damit der, der sie anlegt oder verwaltet, weiß, was der, der sie nutzt, eigentlich braucht. Und auch: wie er sie braucht und wann und in welcher Qualität. Damit es in Zukunft möglich sein wird, mit dem gleichen Datenmaterial unternehmensweit flexibel zu agieren, statt weiter auf Insellösungen zu beharren. Damit die Chance, die Geschäftsprozesse weiter zu optimieren, Kosten und Risiken zu senken und Produktivität zu erhöhen, nicht im mikropolitischen Bereichskrieg verlorengeht.

Das ist nicht nur ein Problem der Data Governance-Organisation, weil das Management von Strukturen allein auf eine mechanistische Herangehensweise hinausläuft. Das, was rein strukturell nicht zu erschließen ist, nämlich die Kultur des Unternehmens, muss in Zukunft stärker mit reflektiert werden. Und hier fangen, wie auf der Konferenz festgestellt wurde, die eigentlichen Probleme an: Wie soll ich als Angestellter (Anstellen!), der in einer „Ab-Teilung“ oder einem „Be-Reich“ für Daten zuständig (Zustand = statisch!) ist, auf die Idee kommen, dass „meine Daten“ gedacht als „unsere Daten“ auch mir und meinem Team einen höheren Nutzen bringen können? Kann ich durch stärkere Einbindung in die Belange des Unternehmens als Ganzes meine Identität mit diesem stärken? Bin ich dann bereit, mehr „Ver-Antwort-ung“ zu übernehmen, eben auch für die Daten, die nun durch das ganze Unternehmen fließen sollen, also auch zu den „Nachbarbe-Reich-en“…?

Andererseits beginnen die neuen sozialen Medien diese Mauern ohnehin aufzubrechen. Wie gehen wir damit um, damit wir sie nicht als Gefahr betrachten? Wie lässt sich diesbezüglich ein Generationenkonflikt innerhalb der eingeschlossenen Bereiche verhindern zwischen jenen, die solche digitalen Netzwerke schon seit ihrer Schulzeit ganz selbstverständlich nutzen und denen, die eigentlich keine Lust mehr haben, sich in ihrem Alter noch darauf einzulassen?

Man könnte ruhig weiter fragen, was passiert, wenn solche kulturellen Spezifika in einem Unternehmen nicht ausreichend reflektiert und kein Status quo analysiert wird? Beispielsweise kann ein zentralisiert geführtes Unternehmen kaum die Datenqualitäts- oder Stammdatenmanagement-Strategien einer eher liberal gemanagten Organisation übernehmen, weil die Bereitschaft des Einzelnen und der Gruppe zur Übernahme von Verantwortung ganz anders ausgeprägt sein dürfte. Die gleiche Herangehensweise würde vielleicht bei einem Unternehmen gut gelingen, beim anderen hoffnungslos scheitern. Hier gilt es, in Form eines Audits die vorhandene Fähigkeit und Bereitschaft der Mitarbeiter und Abteilungen zu notwendig anstehenden Veränderungen vor der Entwicklung und Umsetzung geeigneter Konzepte genauer abzuklopfen. Change Management hat ja nicht ohne Grund die Aufgabe, die Implementierung einer Strategie in adäquater Form zu flankieren und damit abzusichern.

Sie sehen, wenn man in dieser Hinsicht erst einmal ins Grübeln kommt, dann hören die Fragen wahrscheinlich so schnell nicht wieder auf. Eine letzte Frage sei mir an dieser Stelle aber noch erlaubt: Wer steht jetzt eigentlich im Mittelpunkt des Datenmanagements? Die Daten oder ihre Erfasser, Verwalter und Nutzer?

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